Die Man Sager - Warum wir „man“ sagen, wenn wir „ich“ meinen.


Wenn Ihnen eine der folgenden Sätze bekannt vorkommen, dann wird es für Sie jetzt besonders spannend. Denn schildern wir Erlebtes aus der Ich-Perspektive neigen wir dazu, in die unbestimmte Person „man“ zu verfallen.


  • „Eigentlich wollte ich von der Feier früher nach Hause, weil ich ein bisschen zu viel getrunken hatte, aber man ist ja nur einmal jung.“

  • „Vor zwei Monaten wollte ich mehr Sport machen, aber man kennt das ja. Dann unterschreibt man den Vertrag, geht zweimal hin und hat dann viele andere Dinge zu tun.“

  • „Ich wollte eigentlich nicht so viel essen, aber das sah so lecker aus da kann man sich auch nie zurückhalten.“

  • „Ich mag dunkle Gassen, da hat man einfach zu viel Angst durchzugehen.“

  • „Ich habe oft Prüfungsangst. Da ich viel zu lernen muss. Mann ist da einfach aufgeregt“

  • „Mein Vorgesetzter ist nicht immer sehr nett zu mir, da kann man sich schon oft darüber aufregen.“

  • „Eine neue Sprache zu lernen ist total schwierig. Da hat man schon manchmal Probleme die Vokabeln zu behalten.“


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Kommen Ihnen einige oder ähnliche Sätze bekannt vor? Doch wer ist denn dieser »Man«? Und woher wissen wir das man das immer schon so macht oder sich so verhält und wissen sogar darüber Bescheid in welchen Gemütszustand dieser »Man« ist. Hand aufs Herz wie oft sagen Sie am Tag das Wort „Man“. Diese obigen Aussagen stehen stellvertretend für ein Alltagsphänomen, das wohl jedem bekannt sein dürfte. Erzählen wir Erlebtes aus der »Ich« Perspektive, wechseln wir häufig in das unbestimmte »Man«. Obwohl dieser Perspektivenwechsel weit verbreitet ist, ist er bislang kaum untersucht worden.


Doch es haben sich vor einiger Zeit zwei Psychologinnen Ariana Orvell und Susan A. Gelmanvon und ein Psychologe Ethan Kross an der University of Michigan, mit diesem Phänomen beschäftigt. Im englischen ist es nicht das Wort »Man« sondern das Wort »You«. Diese Psychologen vermuten, dass wir uns mit dem Wechseln auf die »Man« Ebene vor etwas Schützen wollen. Also immer dann, wenn wir einen Satz, eine Aussage in dem »Man« Stil anstatt von uns also von »Ich« zu sprechen, dann versuchen wir etwas für uns Unangenehmes auf eine Allgemeingültigkeit umzuformulieren, um mit dem Erlebten besser umgehen zu können. Wir distanzieren uns also regelrecht von negativen Dingen, die unsere Aussage hervorrufen könnte.


Wir sind oft dazu verleitet unsere Probleme, unsere Unsicherheit und Ängste im Außen zu suchen, zu verstecken oder zu heilen. Genau dort wo es unpersönlich ist. Dort wo wir uns in einer Masse verstecken können oder vielmehr gerne mit dem Finger auf andere zeigen können. Und das »Man« drückt das aus.


Sie haben sicher schon erraten warum. Weil unser Unterbewusstsein es so will. Unser Unterbewusstsein möchte sich nicht verändern. Es möchte so bleiben wie es ist. Weil es ja den Auftrag hat, uns zu beschützen. Und das »Man« ist ein Mittel von Einigen, den Auftrag viel besser erfüllen zu können. Alle neuen oder manch alten Erlebnisse können Angst machen. Alles Neue ist nicht gut. Und solange wir über andere oder eine unbekannte Masse reden, schläft unser Unterbewusstsein und füllt sich sicher. Wenn wir Sätze mit »Man« sagen, dann ist es dem Unterbewusstsein vollkommen egal. Denn die Aussage hat ja nichts mit uns zu tun.

Sie sehen. Unser »Man« hat mehr Bedeutung als Sie vielleicht zu Beginn gedacht hätten.


Zusammengefasst haben Sie nun die Aufgabe, falls Sie das möchten, das »Man« aus Ihrem Sprachschatz so gut es geht zu entfernen, um ernst genommen zu werden. Weiter können Sie aus der Verwendung Ihres »Man« auch viel Lernen. Denn es zeigt Ihnen welche Themen für Sie sehr wichtig sind und Sie diese näher betrachten sollten. Denn wer weiß, vielleicht verbirgt sich da ein negatives Erlebnis dahinter welches Sie daran hindert in den einen oder anderen Bereich noch erfolgreicher zu sein. Also lassen Sie uns ab sofort aus dem unpersönlichen »Man« das persönliche »Ich« machen.


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