Das regt mich auf! Emotionen sind Gefühle der Gedanken!


Wenn Sie im Geschäftsleben aber auch manchmal im Privaten ein Gespräch führen dann halten Sie sich mit Emotionen, soweit es Ihnen möglich ist, zurück. Es erspart Ihnen viel Zeit und thematische Umweg. Sie kennen das sicher, wenn über eine Sache diskutiert wird und plötzlich tauchen in einem Gespräch viele andere Themen auf. Und am Ende weißt niemand mehr was das eigentliche Thema des Gesprächs war.



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Aber woran liegt das? Nun. Das passiert wenn Emotionen ins Spiel kommen. Wenn sich Ihr Gesprächspartner gelobt, angegriffen, verurteilt, geliebt, getadelt oder durch andere Emotionen berührt fühlt. Oder auch Sie selbst. In einem persönliche Gespräch können Sie womöglich schnell darauf reagieren. Aber in E-Mails oder anderen geschriebenen Nachrichtenaustausch wird es da schon viel komplizierter.


Schauen wir uns doch an welche Emotionen wir mit unseren Wörtern herbeiführen können. Eines der bekanntesten Projekte zu diesem Thema ist das Projekt Magellan. Es ist ein internationales Forschungsprojekt zur Messung sprachlich ausgelöster Emotionen. Da geht es darum für die gebräuchlichsten Begriffe verschiedener Sprachen die Gefühlsassoziationen zu messen. Aber nicht nur die Begriffe die wir in unserer Sprache verwenden auch auf welcher Ebene wir unseren Gesprächspartner berühren oder er uns berührt.


Der Psychologe Charles E. Osgood hat in den 50er und 60er Jahren in über 20 verschiedenen Sprachen und Kulturen die sogenannten affektiven Konnotationen erforscht. Da geht es um die Gefühle, die mit Worten verbunden sind.


Die drei Ebenen unserer Gefühle.


Valenz: Hier ist bedeutsam ob eine Emotion angenehm oder unangenehm ist. Fühlen wir uns von etwas eher angezogen oder eher abgestoßen? Ist mein Gesprächspartner sympathisch oder nicht. Oder habe ich eher ein negatives Gefühl, und möchte mit der Person nicht so gerne ein Gespräch führen.


Potenz: Der zweite Aspekt unserer Emotionen besteht aus so etwas wie Schwäche oder Stärke. Zum Beispiel ist Angst ist ein schwaches oder schwächendes Gefühl, Ärger dagegen ein Gefühl das uns stärkt. Wenn wir mit jemanden sprechen oder eine schriftliche Kommunikation führen dann fragt sich unser Unterbewusstsein immer ober wir die Situation beherrschen und ob wir im Gespräch auch alles unter Kontrolle haben. Wir stellen uns daher unbewusst immer die Frage ist der/die Andere mir überlegen, begegnen wir uns “auf Augenhöhe”, oder bin ich vielleicht sogar stärker?


Erregung: Als dritte Ebene unterscheiden wir die Gefühle danach, wie viel Erregung (oder auch “Aktiviertheit”) mit ihnen verbunden sind. Das Gefühl der “Zufriedenheit” ist zum Beispiel etwas sehr entspanntes, während die Emotionen die wir haben wenn wir von etwas „begeistert“ sind, voller Energie ist. Man vermutet das aus der biologischen Sicht hinter dieser Gefühlsdimensionen wohl die Reaktionsbereitschaft unseres Systems zu Kampf oder Flucht ist. Unser Unterbewusstsein stellt sich mit jedem Moment und jeder Emotion die Frage ob wir schnell reagieren müssen, oder ob wir entspannt bleiben können.


Nun kommen wir aber zu den Wörtern und der Sprache mit denen wir die Emotionen hervorrufen oder steuern können. Die umfangreichste Erforschung dieses Themas war das Projekt Magellan. Es wurden weltweit, in verschiedenen Sprachen und Kulturen, Daten über sprachliche Empfindungen gesammelt. All diese Daten sind in einer großen Datenbank an der Indiana University zusammengefasst, so dass kulturvergleichende Studien auf der Basis der emotionalen Struktur der Sprache möglich sind.


Herausgefunden wurde, um es vereinfacht darzustellen, dass sich die Sprache und deren Bedeutung zwischen Angehörigen verschiedener sozialer Milieus unterscheiden. Doch gleich ob die Sprache und manche bei denselben Wörtern unterschiedliche emotionale Empfindungen hervorrufen, haben sie doch alle drei die gleichen Dimensionen eines sogenannten „emotionalen Raumes“. Angst, Wut, Trauer und Freude.


Um unsere Emotionen zu verstehen die durch Wörter ausgelöst werden teilt das Projekt Magellan es in drei Wortgruppen ein. Valenz ist die Gruppe die angenehme oder unangenehme Gefühle auslöst. Die Wortgruppe der Potenz löst Gefühle der Macht oder Schwäche aus. Und die dritte Wortgruppe ist die Erregung. Diese Wortgruppe löst lebhafte Gefühle oder welche der Ruhe aus.


Sind Sie neugierig welche Wörter den das sind? Hier ein paar Beispiele.


VALENZ GEFÜHLE (unangenehm/angenehm)


Angenehme Gefühle

  • Baby, Hausmann, Schuljunge, Bekannter, Heiliger, adoptieren, entlasten, lachen_mit, ärztlich_behandeln, entschädigen lassen, amüsieren, befriedigt, großzügig, tapfer, begeistert, gutmütig, temperamentvoll, beharrlich,….

Unangenehme Gefühle

  • Angeber, Heulsuse, Schnorrer, Angeklagter, Hinterbänkler, Schwächling, Anpöbeln, erschrecken, überwältigen, Anschreien, erstechen, unterbrechen, arrogant, hartherzig, aufgebracht, herrisch, autoritär, hitzköpfig, bange, hochnäsig, …


POTENZ GEFÜHLE (Macht/Schwäche)


Wörter die das Gefühl der Macht auslösen

  • Abgeordneter, Geldeintreiber, Politiker, Abteilungsleiter, Gelehrter, Polizei, Anmachen, diskutieren_mit, heiraten, Anmeckern, dominieren, großzügig, stolz, gutmütig, streitsüchtig, hartherzig, streng, heiter, tapfer, herrisch, temperamentvoll, herzlich, tolerant, …

Diese Wörter lösen das Gefühl der Schwäche aus

  • Angeber, Opfer, unterdrücken, Angeklagter, Patient, untergraben, Angestellter, Patientin, verachten, Arbeitsloser, Pessimist, verarschen, Armer, Praktikant, verlieren_gegen, Asiat, Praktikantin, vernachlässigen, Asozialer, Prinzessin, ängstlich, alt, angepasst, apathisch, demütig, dumm, eigenbrötlerisch, einfallslos, einsam, empfindlich, enttäuscht, fantasielos, faul, feige, feminin, folgsam, freudlos, furchtsam, gedankenlos,…


ERREGUNGS GEFÜHLE (Lebhaft / Ruhe)


Wörter die in uns lebhafte Gefühle auslösen


  • Arbeiter, Handwerker, Schlägertyp, Arbeitgeber, Held, Schlampe, Arschloch, hohes_Tier, Schuljunge, Athlet, Interviewer, Schulmädchen, Baby, Junge, Angreifen, Fachgespraech_führen, schimpfen_mit, angrinsen, fachsimpeln_mit, schlafen_mit, anhalten, fangen schlagen, anmachen, amüsiert, gierig, ungeduldig, Angeekelt, grantig, ungehobelt, Angewidert, grausam, ungenau, mutig, Ehrgeizig, nervös, Eifersüchtig, offen, Eifrig, offensiv, Einfallsreich, optimistisch, Emotional, originell, fleißig, scharfsinnig, französisch, selbstbewusst, Frech, skrupellos,…


Wörter die Ruhe auslösen

  • Benachteiligter, Reservist, mögen, Bettler, Richter, nachspähen, Bibliothekar, Schwächling, respektieren, Büroangestellter, Spitzel, schätzen, Bürokrat, Abend_essen_mit, vernachlässigen, achten_auf, verneigen_vor, analysieren, verschwören_gegen, anglotzen, versöhnlich_stimmen, anlächeln ,verstecken_vor, anlocken, warten_auf, Bescheiden, misstrauisch, weichherzig, Besorgt, mitfühlend, weise, Dankbar, mutlos, wohlwollend, Demütig, nachgiebig, zerknirscht, Deprimiert, nachlässig, zögerlich, Distanziert, nachsichtig, zufrieden,


Um Ihr Wissen um die Wörter und welche Emotionen sie auslösen nun auch zu trainieren schlage ich folgendes vor. Durchforsten Sie doch mal Ihre eigene verbale und schriftliche Sprache im Hinblick auf die emotionale Wirkung der von Ihnen verwendeten Wörter. Vielleicht erkennen Sie auch, warum Sie im einen Fall erfolgreich waren und im anderen eher nicht. Achten Sie gezielt darauf, Ihre Aussagen so zu gestalten, dass sie bei Ihrem Gesprächspartner eine positive emotionale Bilanz hinterlassen.



„Was verstehen wir unter Befreiung?

Den Sieg über unsere Emotionen.“

© Dalai Lama (*1935), (Das Lächeln des Himmels), eigentlich Tenzin Gyatso, 14. geistiges und politisches Oberhaupt der Tibeter, wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.



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